{"id":4181,"date":"2018-07-11T11:22:14","date_gmt":"2018-07-11T09:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.drkrueger-gnoien.de\/?p=4181"},"modified":"2018-07-11T11:23:54","modified_gmt":"2018-07-11T09:23:54","slug":"interview-mit-der-techniker-krankenkasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drkrueger-gnoien.de\/index.php\/interview-mit-der-techniker-krankenkasse\/","title":{"rendered":"Interview mit der Techniker Krankenkasse"},"content":{"rendered":"<p>Die Anwendung moderner und sicherer Datensysteme geh\u00f6rt heute zu unserem Alltag. Auch f\u00fcr den Gesundheitssektor bieten innovative digitale Konzepte M\u00f6glichkeiten, Prozesse effizienter und zeitgem\u00e4\u00dfer zu gestalten. Davon verspricht sich die TK mehr Transparenz und ein besseres Qualit\u00e4tsmanagement. Die Chance, dadurch die Versorgungsqualit\u00e4t zu verbessern, muss weiter konsequent genutzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>TK: Die Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Auch im Gesundheitswesen nimmt sie einen immer h\u00f6heren Stellenwert ein. Sie selbst sind mit Ihrer Praxis auf diesem Gebiet bereits weit fortgeschritten. Was verstehen Sie unter einer digitalen Praxis?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Die digitale Praxis bedeutet, dass wir so papierlos wie m\u00f6glich unseren Arbeitsablauf gestalten. Das hei\u00dft, die gesamte Dokumentation, die Befundarchivierung oder auch die Terminplanung erfolgen vollst\u00e4ndig digital. Es gibt in unserer Praxis keine Papierakten mehr, schriftliche Befunde werden umgehend eingescannt und danach entweder vernichtet oder dem Patienten wieder mitgegeben. Auch die Einbindung von medizinischen Ger\u00e4ten, wie EKG, Lungenfunktionsuntersuchung oder Langzeit-Blutdruckmessung, erfolgt elektronisch und im Netzwerk. Es gibt zudem keine Laborb\u00f6gen oder schriftlichen Laborbefunde mehr, sondern die Anforderung, das Abrufen der Laborwerte sowie die Auswertung werden am Computer durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>TK: Welche Vorteile ergeben sich f\u00fcr den Praxisalltag?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Wir haben alles auf einem Blick in der digitalen Akte des Patienten, in der alle Daten zusammenlaufen. Zun\u00e4chst einmal werden die Mitarbeiterinnen entlastet, da das st\u00e4ndige Heraussuchen von Akten aus Aktenschr\u00e4nken entf\u00e4llt. Es muss nichts mehr aufw\u00e4ndig weggeheftet werden; es gibt keine Akten, die immer dicker werden und in denen man die Befunde suchen muss, weil sie irgendwo weit unten abgeheftet sind.<\/p>\n<p>Ich selbst habe deutlich mehr Zeit f\u00fcr das Patientengespr\u00e4ch, da ich auf meinem Bildschirm alle notwendigen Dinge sehen und mit wenigen Klicks finden kann. Zudem kann ich die Auswertung z. B. von Labordaten oder Blutdruckverl\u00e4ufen gemeinsam mit dem Patienten am Bildschirm durchgehen. \u00dcber Blankoformulardrucker, also einem ger\u00e4uscharmen Laserdrucker, bekommt der Patient sofort alle notwendigen Formulare, wie Rezepte, Krankschreibungen oder \u00dcberweisungen, bei mir im Sprechzimmer ausgedruckt und mitgegeben. Das entlastet zum einen wieder die Mitarbeiterinnen an der Anmeldung und zum anderen muss nichts mehr mit dem lauten Nadeldrucker ausgedruckt werden.<\/p>\n<p>Alles in allem ist aber das wichtigste, dass trotz Technisierung und Digitalisierung der Patient im Mittelpunkt steht. Die neuen Technologien dienen dazu, dass der Praxisalltag effizienter, zeitsparender und wesentlich organisierter ablaufen kann \u2013 nat\u00fcrlich unter h\u00f6chsten Sicherheitsstandards und Datenschutz.<\/p>\n<p><strong>TK: Wie gehen Ihre Patienten damit um?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Das meiste l\u00e4uft ja im Hintergrund ab und der Patient bekommt von all der Technik nicht so viel mit, was schlie\u00dflich auch das Ziel ist. Nat\u00fcrlich darf ich mich im Patientengespr\u00e4ch nicht hinter meinem Bildschirm vergraben, sondern muss die Dokumentation nebenher oder nach dem Gespr\u00e4ch machen. \u00dcber Textbausteine und Stichworte ist aber auch dies kein Problem. Au\u00dferdem sehen viele Patienten \u2013 und nicht nur die j\u00fcngeren \u2013 die neuen Technologien sehr positiv. Sie erwarten von ihrem Hausarzt schlie\u00dflich, dass er auch technisch auf dem neuesten Stand ist. Vor kurzem haben wir begonnen, eine Patienten-App f\u00fcrs Smartphone in unseren Praxisablauf zu integrieren und an die Patienten zu geben. Mit dieser App ist es den Patienten m\u00f6glich, ihre Daten, Vitalparameter und ihren Medikamentenplan zu speichern \u2013 wenn n\u00f6tig sogar mit Erinnerungsfunktion f\u00fcr die Tabletteneinnahme. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Patienten mit uns per Chat kommunizieren, uns Bilder schicken, z. B. bei der Wundversorgung, oder ihre Blutdruckwerte senden. Dies alles landet dann direkt in der digitalen Akte des Patienten, mit der die App verkn\u00fcpft ist. Aber auch hier geht es darum, den Patienten wieder in den Mittelpunkt zu stellen und die Kommunikation zu erweitern. Mittlerweile wird bereits reger Gebrauch von dieser M\u00f6glichkeit gemacht.<\/p>\n<p><strong>TK: Viele Akteure des Gesundheitswesens sind eher noch skeptisch im Hinblick auf die Digitalisierung. Wie bewerten Sie den Umgang ganz pers\u00f6nlich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Nun, zun\u00e4chst einmal: Digitalisierung beginnt mit der Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass in der Zukunft alles digitalisiert werden wird, was digitalisiert werden kann. Das muss nicht immer alles wirklich sinnvoll und notwendig sein, aber noch sind es wir \u00c4rzte selbst, die die Dinge in die Hand nehmen und die k\u00fcnftigen Entwicklungen gestalten k\u00f6nnen. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass auch in diesem Bereich der Umgang mit neuen Anwendungen von den gro\u00dfen Playern wie Google oder Apple bestimmt wird und wir als \u00c4rzte mehr damit zu tun haben werden, dem Patienten zu erkl\u00e4ren, warum \u201eDr. Google\u201c nicht immer Recht beh\u00e4lt und eine harmlose Erk\u00e4ltung in der Regel nicht t\u00f6dlich verl\u00e4uft. Denn Erfahrung und Empathie wird nat\u00fcrlich auch in Zukunft keine App ersetzen. Digitalisierung kann immer nur eine Erweiterung und Erleichterung von M\u00f6glichkeiten sein, die uns helfen, die Gesundheit unserer Patienten nachhaltig zu verbessern.<\/p>\n<p>Und noch einen Satz zur Debatte \u00fcber den Mangel an Land\u00e4rzten: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ungef\u00e4hr 3000 niedergelassene \u00c4rzte, davon werden circa zehn Prozent in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren das Rentenalter erreicht haben. Wir k\u00f6nnen den Beruf des Landarztes f\u00fcr junge Fach\u00e4rzte doch nur attraktiver machen, wenn es uns gelingt, die modernen Medien und Technologien in den allt\u00e4glichen Praxisablauf zu integrieren. In einer Zeit, in der WhatsApp und Facebook zum Alltag der Menschen geh\u00f6ren, ist es doch schwierig dar\u00fcber zu diskutieren, ob ein Computer auf den Schreibtisch des Arztes geh\u00f6rt oder nicht. Ich m\u00f6chte meine \u00e4rztlichen Kollegen daher gerne dazu ermuntern, die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung in der Praxis zu nutzen.<\/p>\n<p><strong>TK: Die TK hat Ende April die elektronische Gesundheitsakte TK-safe vorgestellt. Begr\u00fc\u00dfen Sie diesen Vorsto\u00df?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Definitiv. Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Ich sehe die n\u00e4here Zukunft ohnehin in cloudbasierten L\u00f6sungen. Alle Daten des Patienten sind auf sicheren Servern gespeichert: Medikamentenpl\u00e4ne, Verordnungen, Diagnosen, vor allem aber die Befunde und Berichte. Dies erspart nicht nur Doppeluntersuchungen, sondern ich sehe auch auf einem Blick den Krankheitsverlauf des Patienten. Auch der Patient selbst hat nat\u00fcrlich vollumf\u00e4nglich Zugriff auf seine Daten und Befunde und kann gegebenenfalls entscheiden, wem er welche Daten zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p>Was die digitale Akte in unserer Praxis ist, ist die elektronische Gesundheitsakte f\u00fcr alle Beteiligten im Gesundheitswesen \u2013 Hausarzt, Fach\u00e4rzte, Krankenh\u00e4user. Ich glaube, dass dadurch erhebliche Synergieeffekte generiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe diesen Schritt der TK deshalb ausdr\u00fccklich. Die vom Gesetzgeber gewollte elektronische und vernetzte Infrastruktur im Gesundheitswesen ben\u00f6tigt mittlerweile 15 Jahre f\u00fcr ihre Umsetzung und es ist immer noch nicht klar, ob man sich auf gemeinsame Standards einigen kann. Daher brauchen wir Vorreiter in der Digitalisierung. Die TK ist meines Erachtens auf dem richtigen Weg und ich w\u00fcrde dies in meinen Praxisablauf auf jeden Fall integrieren.<\/p>\n<p><strong>TK: Wie sehen Sie die weitere Zukunft im Bereich der Digitalisierung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Marco Kr\u00fcger:<\/strong> Gemeinsame Standards und die digitale Akte sind der erste Schritt. Es werden k\u00fcnftig immer mehr Applikationen auf den Markt kommen, mit denen man den Gesundheitszustand des Patienten st\u00e4ndig messen k\u00f6nnen wird. Blutzuckerwerte, Blutdruck oder auch Herzrhythmusst\u00f6rungen werden permanent \u00fcberwacht und geben bei lebensbedrohlichen Situationen Alarm. Dies alles f\u00fchrt zu h\u00f6herer Lebensqualit\u00e4t des Patienten und hilft dem Arzt bei Entscheidungen und Therapien. Ich bin \u00fcberzeugt davon, dies wird bei den Menschen auf gro\u00dfe Nachfrage sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Als weiteren Schritt w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass auch eine Vernetzung mit Apotheken m\u00f6glich wird, so dass ich den Medikamentenplan oder das Rezept f\u00fcr die Medikamente elektronisch \u00fcbermitteln kann. Das erspart uns nicht nur den Papierkram, sondern hilft auch bei Wechselwirkungen oder Fremdverordnungen von Medikamenten. Warum speichern wir dies nicht in der Patienten-App oder auf der Gesundheitskarte?<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte zwar, dass die vollumf\u00e4ngliche Digitalisierung zwischen allen Akteuren und Institutionen im Gesundheitswesen noch einige Zeit dauern wird, aber wir werden und k\u00f6nnen uns dieser Entwicklung nicht verschlie\u00dfen. Daher sollten wir keine Scheu vor den neuen M\u00f6glichkeiten haben und diese beherzt anpacken und gestalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tk.de\/tk\/mecklenburg-vorpommern\/interviews\/marco-krueger\/841942\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.tk.de\/tk\/mecklenburg-vorpommern\/interviews\/marco-krueger\/841942\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anwendung moderner und sicherer Datensysteme geh\u00f6rt heute zu unserem Alltag. Auch f\u00fcr den Gesundheitssektor bieten innovative digitale Konzepte M\u00f6glichkeiten, Prozesse effizienter und zeitgem\u00e4\u00dfer zu gestalten. Davon verspricht sich die TK mehr Transparenz und ein besseres Qualit\u00e4tsmanagement. 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